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Perspektiven für Unternehmen entwickeln

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 12.11.2010


Der Kreditmediator der Commerzbank, Michael Schmid, über Finanzierungsschwierigkeiten im Mittelstand, seine Zusammenarbeit mit dem Kreditmediator der Bundesregierung – und mögliche Auswirkungen von Basel III auf Firmenkunden.
 

Herr Schmid, Kreditmediatoren gibt es inzwischen auf Bundes- und Länderebene und nun auch noch bei der Commerzbank. Was genau ist Ihre Aufgabe – und wo gibt es Anknüpfungspunkte zu den Kollegen?

Zunächst einmal: Auch und gerade im Aufschwung gibt es für einzelne Unternehmen unverändert eine Unterversorgung mit Krediten. Für diese Kunden stehe ich als Ansprechpartner zur Verfügung. Die Kreditmediation der Commerzbank (KMC) ist damit eine Antwort auf die Kreditmediator Deutschland GmbH (KMD) von Hans-Joachim Metternich – allerdings ohne dass wir uns als Konkurrenz verstehen. Unsere Profile lassen sich ohnehin nur eingeschränkt vergleichen. Denn unser „Produkt“ ist eine neutrale zweite Meinung für unsere Kunden. Das dient der Qualitätssicherung. Zusätzlich kommen intern auch Kundenbetreuer mit der Bitte auf uns zu, sie als Branchenspezialisten bei besonders schwierigen Anträgen zu unterstützen …
 

Und wie helfen Sie dann konkret?

Im Zuge unserer Analyse stimmen wir Informationen und Strukturen mit dem Kunden und innerhalb der Bank ab. Wir ändern den Blick auf ein Engagement. Letztlich geht es darum, für das Unternehmen eine Perspektive zu entwickeln. In vielen Fällen können wir etwas bewegen, aber natürlich nicht immer. Dann erhält der Kunde von uns eine ausführliche schriftliche Begründung der Ablehnung.
 

Aber in wie vielen Fällen konnten Sie bislang denn vermitteln – und wie viele Anträge bearbeitet Ihr Team aktuell?

Viele Kunden wissen, dass es das KMC-Team als Ansprechpartner für Qualitätssicherung gibt, so dass uns jeden Tag ein bis zwei Fälle erreichen. Tendenz steigend. In Zahlen bewegen wir ein durchaus beachtliches Kreditvolumen, das uns als Geschäft willkommen ist. Den genauen dreistelligen Millionenbetrag will ich nicht nennen, um Ihren Lesern aber ein Gefühl für die Größenordnung zu geben: Die Fälle stehen für etwa 2.000 Arbeitsplätze …
 

Lässt sich bei aussichtlosen Fällen denn verallgemeinern, woran das liegt?

Eine Untersuchung der Commerzbank im deutschen Mittelstand hat gezeigt, dass im Krisenjahr 2009 viele Unternehmen daran gearbeitet haben, ihre strategische Position zu verbessern. Oft wurde auch das Working Capital optimiert, während die Finanzierungsstruktur nur selten im Fokus einer grundsätzlichen Neuausrichtung stand. Es gibt immer wieder einzelne Unternehmen, deren Eigenkapitalausstattung zu dünn ist, in anderen Fällen fehlt es an Sicherheitensubstanz, so dass ein Kreditengagement nicht vertretbar ist. Dies gilt insbesondere für Fälle, bei denen anhaltend Verluste geschrieben werden …
 

Was raten Sie solchen Kunden in der aktuellen Situation? Was machen viele Unternehmer nach wie vor falsch?

Bei Firmen, die trotz Schwierigkeiten nicht über ein schlüssiges Konzept für eine Neuausrichtung verfügen, können auch wir nicht helfen. Unser Auftrag ist die Analyse, Prüfung und Bewertung von Risikostrukturen, Argumenten und „Soft Facts“ – insbesondere aber von abgesicherten Zukunftsstrategien. Es wird immer wieder deutlich, dass viele Unternehmen ihr Finanzierungskonzept und die Lieferbeziehung zwischen Bank und Kunde zu wenig strukturiert betrachten, ihre Pläne nicht vermitteln können. Die Kreditgewährung und eine erfolgreiche Geschäftsbeziehung benötigen ein hohes Level an Kommunikation. Die Bank erwartet in guten und schlechten Zeiten ein offenes, strukturiertes und zeitnahes Informationsverhalten. Die Initiative muss hier vom Kunden kommen.
 

Bietet es sich hin und wieder an, mit alternativen Finanzierungsinstrumenten weiterzuhelfen?

Durchaus, denn ein wesentlicher Baustein unseres Angebots ist die Analyse der Finanzierungsstruktur. Wenn es nötig ist, helfen wir dem Kunden, Änderungen vorzunehmen. Dafür bietet die Bank natürlich verschiedene Instrumente an – und wir können auf eine Vielzahl an Spezialisten zurückgreifen. Regelmäßig stellen wir in solchen Fällen ein kleines Projektteam zusammen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Nicht selten verfügt der Kunde über verschiedene Bankverbindungen. Dann kümmern wir uns gegebenenfalls auch um die Reorganisation der bestehenden Bankenstruktur.
 

Die unter dem Stichwort Basel III diskutierten neuen Kapitalvorschriften für Banken stehen im Verdacht, die Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen zusätzlich zu behindern. Wie sollten Firmenkunden sich rüsten?

Wir sehen nicht, dass die geplanten Kapitalanforderungen unter Basel III sich wesentlich auf unser Kreditgeschäft mit dem Mittelstand auswirken werden. Die Commerzbank ist gut aufgestellt. Natürlich darf man nicht erwarten, dass die extrem niedrigen Margen der Vorkrisenjahre zurückkehren werden. Das ist aber ein Ergebnis des gestiegenen Risikobewusstseins – und gewiss kein Knappheitspreis.
 

Autor: Die Fragen stellte Ingo Schenk



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