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Grüne Sparwelle

Creditreform Unternehmermagazin

Neuss, 06.09.2010


Effiziente Energietechnik entlastet die Firmenkasse und die Umwelt. Im Durchschnitt sind Einsparungen von 20 bis 50 Prozent möglich.

Die grüne Welle hat den Mittelstand erreicht. Was gestern ausschließlich Öko war, ist heute gleichzeitig wirtschaftlich. Und das Potenzial ist enorm. Die Deutsche Energie-Agentur (dena) beziffert die Einsparungen bei Beleuchtung, Heizung, Pumpen, Druckluft- oder Klimasystemen und anderen Energieverbrauchern in kleinen und mittelständischen Unternehmen auf durchschnittlich 20 bis 50 Prozent. Doch es ist auch mehr möglich.

Ende 2007 baute die Firma ebm-papst, die Lüfter und Motoren herstellt, in Hollenbach nahe Augsburg eine neue Werkshalle mit Produktion, Dreherei, Verwaltung und Lager samt neuem Wärmesystem. Dieses nutzt die Abwärme der Drehmaschinen und Kompressoren, die sich unter dem Dach der rund 14.000 Quadratmeter großen Halle sammelt, heizt damit direkt die Gebäudeteile oder speichert sie in einem großen Wasserbehälter auf dem Dach und gibt die Wärme später ab. Verglichen mit einer herkömmlichen Produktionshalle kommt das Werk mit 91 Prozent weniger Energie aus. Das erspart der Umwelt 400 Tonnen CO2 und dem Unternehmen rund 87.500 Euro Energiekosten pro Jahr. Nur 60.000 Euro mehr kostete ebm-papst das Abwärmesystem. Kapitalrendite: 146 Prozent. "Wir betrachten das Thema Energieeffizienz ganzheitlich", sagt Markus Mettler, Leiter Betrieb und Bauwesen bei ebm-papst. Auch bei ihren Produkten setzt das Unternehmen auf Energieeffizienz.

Bloombox: Eine Brennstoffzelle verzaubert Amerika

Ende Februar öffnete die kalifornische Firma Bloom Energy ihren Zauberschrein: Zum ersten Mal gewährte die Firma Einblicke in ihre Bloombox - eine Brennstoffzelle, die emissionsfrei und günstig Strom produziert. Mit ihren derzeit noch garagengroßen Anlagen und geschickter Inszenierung verzaubern die Kalifornier seit Monaten die amerikanische Öffentlichkeit. Die Firma will nichts Geringeres, als das Weltklima zu retten und dabei Energiekosten zu senken. Bekannte Persönlichkeiten wie Al Gore oder Arnold Schwarzenegger - und mit ihnen die Medien - geben sich bei Bloom Energy die Klinke in die Hand, die Liste der Testkunden glänzt mit Namen wie Google, Coca Cola und FedEx. Alle wollen sie Teil sein der "neuen grünen Revolution im Energiemarkt", so Bloom Energy

Das technische Prinzip: Anstatt wie andere Brennstoffzellen Wasserstoff aufzuspalten, teilt die Bloombox mittels einer sogenannten Festoxidbrennstoffzelle fossile Energieträger wie Öl oder Biogas in einem chemisch-physikalischen Prozess in seine Bestandteile auf und produziert so Strom. Direkte Schadstoff-Emissionen gleich Null. Zwar liegt der offizielle Marktpreis für eine Bloombox mit einer Leistung von 100 Kilowatt bei umgerechnet einer halben Million Euro. Dennoch hat etwa Online-Auktionär eBay gleich fünf der Kisten vor sein Hauptquartier im kalifornischen San Jose gestellt, die nun 15 Prozent des Strombedarfs liefern. In fünf Jahren, so eBay, rechne sich die Investition, denn die Kilowattstunde Strom aus der Bloombox sei um vier Cent günstiger als die aus dem öffentlichen Netz.

Die Festoxidbrennstoffzelle gilt als zukunftsträchtig, denn sie ist grundsätzlich robuster und günstiger als andere Brennstoffzellentechniken. Einige Beobachter wie Michael Kanellos, Chefredakteur des Branchendienstes Green Tech Media, sind indes skeptisch. Kanellos bezweifelt, dass die kleine Firma das erreicht, was Riesen wie General Electric oder Siemens bislang nicht schafften - nämlich die Brennstoffzellen zugleich langlebig und günstig zu machen. Doch Bloom Energy strotzt vor Optimismus. Innerhalb einer Dekade, ließ das Unternehmen verlauten, wolle man eine Bloombox für private Haushalte anbieten. Geplanter Preis: umgerechnet rund 2.200 Euro.

Sparsame Selbstversorgung

In anderen Bereichen hilft ebenfalls neue Technik. Beispiel Hallenbeleuchtung: Bis zu 20 Prozent des Stromverbrauchs gehen hier auf Kosten veralteter Vorschaltgeräte, so die dena. Und bei Systemen mit schlechten oder ohne Reflektoren kommt das Licht nicht dort an, wo es hin soll. Abhilfe schaffen elektronische Vorschaltgeräte und moderne Hochdruckleuchten mit Spiegeln. Obendrein können automatische Systeme die Helligkeit je nach Tageslicht anpassen. Bis zu 75 Prozent der Stromkosten für die Hallenbeleuchtung lassen sich so einsparen.

Weitere große Verbraucher in Industrie und Gewerbe sind Pumpen: In der Regel laufen diese auch dann unter Vollast, wenn die Leistung gar nicht benötigt wird. Frequenzumrichter erlauben nun das Regulieren der Drehzahl, zudem arbeiten moderne Pumpenmotoren wesentlich effizienter. Im Durchschnitt lassen sich durch mehrere Maßnahmen Verbesserungen von 30 Prozent erreichen. Vor allem für Unternehmen, die durchgängig einen hohen Bedarf an heißem Wasser oder Prozesswärme haben, kann sich ein sogenanntes Blockheizkraftwerk (BHKW) rechnen. Sein großer Vorteil: Es produziert zugleich Strom und Wärme, Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) macht es möglich. Im Innern der Aggregate treibt ein herkömmlicher Verbrennungsmotor einen Generator an und produziert Strom. Ein Wärmetauscher fängt die Abwärme auf und heizt Wasser für die Heizung oder anderes. Dank KWK bringen es die kleinen Kraftwerke auf Wirkungsgrade von 90 Prozent und mehr. Und weil sie zugleich Strom und Wärme liefern, können sie unabhängig machen von Energielieferanten. Lediglich der Brennstoff wird eingekauft. Zum Einsatz kommen fossile Träger wie Diesel oder Gase, aber auch Pellets. In den vergangenen Jahren sind die ursprünglich vor allem als Notstromaggregate eingesetzten Anlagen auf Mini-Maße geschrumpft, obendrein ist ihr Preis stark gefallen. Schon für rund 20.000 Euro ist man Herr der eigenen Strom- und Wärmeversorgung. Die elektrischen Leistungen der Mini-BHKW liegen zwischen einem und 50 Kilowatt samt entsprechender thermischer Leistung. Strom, den man nicht selbst verbraucht, lässt sich gegen Vergütung ins öffentliche Netz einspeisen. Je nach Größe, Stromvergütung und dem eigenen Energiebedarf können sich Mini-BHKW innerhalb von drei bis acht Jahren bezahlt machen.

Effizienzberatung: KfW hilft

Mit dem Sonderfonds Energieeffizienz greift die KfW Bankengruppe speziell KMU bei der Energieberatung unter die Arme. Die KfW übernimmt bis zu 80 Prozent der Kosten einer Initialberatung sowie bis zu 60 Prozent einer Detailberatung. Ein Wermutstropfen: Geht es an konkrete Investitionen im Bereich Energieeffizienz, erhalten KMU gerade bei kleineren Projekten nach wie vor nur schwer Finanzhilfen. Größere Investitionen fördert die KfW über das ERP-Umwelt- und Energieeffizienzprogramm mit zinsgünstigen Krediten. Bei konkreten Vorhaben helfen kann auch ein Erfahrungsaustausch. In mehreren Regionen Deutschlands haben sich KMU zu Energieeffizienz-Netzwerken zusammengeschlossen. Die Netzwerke fördern den Know-how-Transfer und unterstützen Firmen beim Planen und Durchführen von Maßnahmen.

Contracting spart Investitionen

Wer Investitionen für neue und energiesparende Technik umgehen möchte, dem bietet sich das Energiecontracting an. Statt neue Anlagen selbst zu kaufen, least man sie samt der benötigten Verteiltechnik und der Wartung bei externen Dienstleistern. Gerade bei Neuansiedlungen oder beim fälligen Austausch alter Anlagen kann sich das lohnen. Die Contracting-Branche deckt das gesamte Spektrum ab - von der Beleuchtung über Wärme und Kälte bis hin zur Druckluft. Inzwischen bieten die Dienstleister mit dem Energiespar-Contracting auch spezielle Services an, um die Energieeffizienz vorhandener Anlagen und Gebäude zu steigern. Sie ermitteln das Einsparpotenzial, schlagen geeignete Maßnahmen vor und setzen sie um. Über eine Laufzeit von mehreren Jahren erhalten sie dafür einen Teil der eingesparten Kosten. Auf der anderen Seite finanziert der Kunde die gesamten Leistungen durch die vertraglich garantierten Einsparungen. Zu der komplexen Materie des Energiespar-Contracting hat die dena einen Leitfaden samt Berechnungsmodellen erstellt. Unternehmen erhalten ihn für 75 Euro.

Autor: Dirk Schäfer

 



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