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Anonym durchs Netz

Creditreform Unternehmermagazin

Creditreform Magazin, 17.05.2011


Wer im Internet unterwegs ist, hinterlässt Spuren –
das gilt auch für Firmen.

Mit einer Anonymisierungssoftware lassen sich diese Daten verstecken. Die kleinen Online-Werkzeuge gibt es sogar als kostenlose Erweiterungen für Browser.
 

Welche Informationen gebe ich beim Surfen durchs Internet preis?

Ein Selbsttest verrät alles. Dennis Pietsch betreibt das Sicherheits- und Datenschutz-Blog anonym-surfen.de und hat ein kleines Werkzeug programmiert, das alle Daten des Internetnutzers ausliest und anzeigt. Die IP-Adresse wird sichtbar, das installierte Betriebssystem, die Version des Internet-Browsers und die Auflösung des Bildschirms. Sogar der ungefähre Standort des Users lässt sich auf einer Google-Map ermitteln. Das sind Kernpunkte, auf die Werbenetzwerke und Datenkraken Wert legen, erklärt der Wirtschaftsinformatiker. „Vor allem die IP-Adresse spielt hierbei eine große Rolle, da jede IP-Adresse zu einem bestimmten Zeitpunkt weltweit einmalig vergeben ist und somit die Besuche auf verschiedenen Plattformen miteinander verknüpft werden können“, so der Datenschutz-Experte.

Unternehmen wie Google stellen sich so einen gigantischen Datenpool zusammen und können das persönliche Internetverhalten nachverfolgen: Kaufgewohnheiten, Vorlieben, Kontoinformationen. Daraus entsteht ein persönliches Nutzerprofil. Hinzu kommen Cookies, die von Webseiten – in der Regel unbemerkt – auf dem Computer des Internetnutzers abgespeichert werden. Mit Hilfe dieser winzigen Textdateien werden Präferenzen und Einstellungen des Nutzers abgespeichert und beim nächsten Besuch auf der Seite wieder hergestellt. Bestes Beispiel ist der Versandhandels-Riese Amazon: Wer die Seite aufruft, bekommt direkt passende Angebote empfohlen.
 

Datenkraken erstellen Profile

Wer privat im Netz unterwegs ist, kann sich selbst entscheiden, ob er ein gläserner Kunde sein möchte oder nicht. Am Arbeitsplatz ist so ein bedenkenloses Surfen kritisch, so Ulf Graichen, Direktor Vermarktung und Vertrieb bei der alpha 2000 GmbH. Das Leipziger IT-Systemhaus bietet auf safersurf.com einen „Waschsalon“ für sicheres Internet und Mailing an. „Es ist für ein Unternehmen nicht wünschenswert, dass Cookies auf Unternehmensrechnern gespeichert werden und so Surfprofile von Mitarbeitern erstellt werden“, sagt Graichen. „Ein Außenstehender könnte beispielsweise sehen, welche Geschäftsbeziehungen ich unterhalte, welche Konkurrenz-Webseiten angesurft werden, welche Suchbegriffe durch die Mitarbeiter eingegeben werden.“ Ein solches Surfprofil und damit verbundene unerwünschte Werbung sind das eine Problem, viel gefährlicher sind aber eventuelle Angriffe auf das Unternehmensnetzwerk. „Denkbar ist, dass Daten auf Webseiten hinterlassen werden, zum Beispiel E-Mail-Adressen, Passwörter oder Kontodaten, die dazu dienen können, ganz spezielle Phishing-Attacken zu starten“, so Graichen. „Die Attacke könnte direkt auf das Unternehmen zugeschnitten sein.“

Die Konsequenz: Wer viel online unterwegs ist, sollte möglichst wenige Spuren hinterlassen. Anonymisierungssoftware hilft dabei, ohne dass große Computerkenntnisse nötig sind. Zudem gibt es viele kostenfreie Lösungen, die bei Produktvergleichen sogar mit Bestnoten abschneiden. Vorneweg „TOR“, eine Open-Source-Software, für die es sogar eine Erweiterung im Internet-Browser Mozilla Firefox gibt. Das Programm muss einmal installiert werden und kann über Firefox per Mausklick ein- und ausgeschaltet werden. „TOR“ steht für „The Onion Router“: Wie bei einer Zwiebel gibt es nämlich ein Server-Netzwerk mit zahlreichen Schichten, durch die Internetsuchanfragen geschickt werden. Das Ergebnis: Die Anfrage geht so viele Umwege, dass der Absender nur mit großem Aufwand zurückverfolgt werden kann (siehe Infokasten).
 

Nur Provider wissen mehr

Der Nachteil: „In jedem Fall wird sich der Datendurchsatz verlangsamen, weil die Daten über verschiedene Server geleitet werden“, erklärt Ulf Graichen. Oft hilft ganz einfach im Vorhinein der gesunde Menschenverstand. „In einem ersten Schritt muss geprüft werden, ob die Internetseite, die ich anwählen will, überhaupt problematisch ist“, sagt der Datenschutz-Experte. „Wenn nicht, ist es nicht notwendig, über Anonymisierungsserver zu gehen. Ist die Webseite jedoch problematisch, etwa weil sie kein aktuelles Zertifikat besitzt oder durch keine externe Prüfungsstelle zertifiziert ist, dann kann der Aufruf zur eigenen Sicherheit anonymisiert werden.“

Beruhigend für alle, die im Internet unterwegs sind: Ganz so einfach ist es nicht, einen Absender namentlich zu identifizieren. Die IP-Adresse ist zwar leicht herauszufinden. Welcher Mensch dahinter steckt, kann aber nur der Provider sagen. Diese Daten werden nur in Ausnahmefällen herausgegeben, erklärt Juliane Heinrich, Pressesprecherin des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI), und verweist auf das Fernmeldegeheimnis. Diesem unterliegen die Verkehrsdaten – also wer oder wann mit wem und wie lange kommuniziert hat. Liegt ein strafrechtlicher Verstoß vor, können Ermittlungsbehörden die Herausgabe der Daten beantragen. Wenn beispielsweise Beleidigungen in Onlineforen vorliegen oder wenn Urheberrechte verletzt worden sind – zum Beispiel in Musik- oder Filmtauschbörsen.
 

Was IP-Datenbanken verraten

Wer beispielsweise nur gerne wissen möchte, wer sich auf seiner Firmenhomepage bewegt hat, kann zumindest ein paar Rahmendaten herausfinden. Anbieter wie der frei zugängliche IP-Tracker utrace.de liefern erstaunliche Ergebnisse. Die Datenbank enthält Informationen zu mehr als 2,5 Millionen IP-Adressen weltweit. Bei 99 Prozent der Anfragen findet die Webseite den Provider des Internetnutzers und lokalisiert sogar den Standort auf einer Google Map. Aufpassen sollten vor allem Internetnutzer, die in großen Unternehmen oder öffentlichen Einrichtungen arbeiten. Diese Server sind für IP-Tracker wie utrace einfach zu identifizieren. Da könnte es peinlich werden, beim Besuch der Konkurrenz erwischt zu werden.

Um in die Falle nicht hineinzutappen, braucht es in der Tat ein Anonymisierungsprogramm. Ansonsten gilt einfach eine gesunde Zurückhaltung. „Daten so restriktiv wie möglich handhaben, nur herausgeben, was unbedingt notwendig ist“, fasst Jörn Wolter, Experte des unabhängigen Verbraucherportals online-tarife.de zusammen. Für Registrierungen, Newsletter-Abos oder Foren können sich Internetnutzer eine zweite E-Mail-Adresse zulegen. „Außerdem stets eine Firewall und einen aktuellen Virenscanner verwenden, damit nach Möglichkeit niemand auf meinen Rechner zugreifen kann und Zahlungen nur über sichere https-Verbindungen durchführen“, so Wolter weiter. Im Business-Bereich gelte dies umso mehr. „Privates Surfen, das anschließend zu Problemen führen kann, fällt dann immer auf das Unternehmen zurück. Gegebenenfalls kann man als Unternehmer, wenn zum Beispiel Vorgaben zum privaten Surfen in der Firma nicht eingehalten werden, bestimmte Webseiten komplett sperren.“
 

Anonymisierung:
Was Software (nicht) leistet

Anonymisierungsprogramme funktionieren mit zahlreichen Netzwerkservern, den Proxy-Servern. Heißt: Eine Internetsuchanfrage geht diverse Umwege, um an ihr Ziel zu kommen – und nimmt sogar noch weitere Umwege, um wieder zurückzukommen. Der lokale Rechner sendet einen Request an einen Proxy-Server. Dieser Server sendet wiederum diese Anfrage weiter. Der lokale Rechner steht damit nicht im direkten Kontakt mit dem Zielserver. Bei der Response gilt das gleiche Prinzip. Die IP-Adresse des lokalen Rechners bleibt beim Zielserver unbekannt. Anonymisierungsprogramme nutzen ein weltweites Server-Netzwerk, um solche Umwege zu ermöglichen. Teilweise werden die Anfragen über mehrere Proxy-Server gesendet, damit eine Rückverfolgung noch komplizierter wird.

Der Nachteil: Die Ladezeiten werden länger. Eine solche Lösung reicht natürlich nicht aus, um komplett sicher im Internet unterwegs zu sein. Basis ist eine Sicherheitssoftware mit Virenschutz, Spam-Filter und Firewall. Zudem sollten Internetnutzer regelmäßig die temporären Internetdateien löschen und überprüfen, welche Cookies sich auf dem Rechner eingenistet haben.
 


Link-Service

Wenn Sie mehr Informationen zum Thema suchen, senden wir Ihnen über unseren Linkservice einige Lesetipps zu. Schicken Sie uns eine Mail mit dem Betreff „Anonymes Surfen“ an: creditreform-service@fachverlag.de
 

Autor: Michael Schlösser



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