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Dauerbrenner Kostenkontrolle

Höhere Kreditzinsen: ja, Kreditklemme: nein. Wenn diese Aussage eines Bankmanagers tatsächlich zutrifft, sollte über Sparpotenziale nachgedacht werden.

Eins ist für Sebastian K. klar: Bei den Mitarbeitern seines Handwerksbetriebes bestehen keine weiteren Möglichkeiten zur Kostenreduzierung. Die mit Hilfe einer Beratungsfirma während der vergangenen beiden Jahre durchgeführten Strukturmaßnahmen haben nämlich nicht nur drei Mitarbeiter den Job gekostet, sondern auch bei den nun noch verbliebenen sechzehn Fachkräften zu Einkommenseinbußen geführt. Würde K. versuchen, hier weitere finanzielle Einschnitte durchzuführen, müsste er mit Kündigungen vor allem jener Mitarbeiter rechnen, auf die er am wenigsten verzichten kann.

Das Thema der Kostenreduzierung hat sich für K. zum sprichwörtlichen "Dauerbrenner" entwickelt. Nachdem ihm seine Hausbank als Hauptkreditgeber seinerzeit an Hand von Liquiditätsermittlungen verdeutlichte, dass sich seine Kapitaldienstfähigkeit Jahr für Jahr verschlechterte, nahm er Kontakt zur erwähnten Beratungsfirma auf. Deren damalige Vorschläge, Kosten zu verringern, erstreckten sich vor allem auf die Arbeitnehmer.

Tatsächlich wurde die Liquiditätslage des Betriebs durch die folgenden Entlassungen wie erwartet zwar verbessert. Allerdings verlor K. auf der anderen Seite mehrere Kunden, da mit den verbliebenen Mitarbeitern die ohnehin ehrgeizigen Umsatz- und Ertragsziele nicht mehr erreicht werden konnten. Die bisherige Servicequalität und vor allem die kurzfristige Erledigung von Aufträgen als wesentliche Merkmale seines Betriebes ließ sich nicht mehr in jedem Fall gewährleisten. Hinzu kam eine merkliche Verschlechterung des Betriebsklimas, die auch K. nicht verborgen blieb. Offenbar, hier ist K. übrigens durchaus selbstkritisch, ist es ihm damals nicht gelungen, die durchgeführten Maßnahmen seinen Fachkräften ausreichend darzulegen und zu erläutern.

Im Ergebnis trägt diese Mischung aus mangelnder Kommunikation und vermehrtem Arbeitsaufwand bei den Mitarbeitern naturgemäß nicht gerade dazu bei, die Ertragslage des Betriebs zu stabilisieren. K. hat sich daher entschieden, nun sorgfältiger als bisher gegenzusteuern. Als erste Maßnahme wird er regelmäßige Mitarbeitergespräche führen, in denen er die jeweilige Umsatz- und Ertragssituation darstellen und erläutern wird. Neben konkreten Zielvereinbarungen soll es darüber hinaus moderate Erfolgsbeteiligungen ebenso geben wie durch die Mitarbeiter initiierte regelmäßige Verbesserungsvorschläge. In der Summe verspricht sich K. durch diese Maßnahmen letztlich Ertragsverbesserungen.

Als wichtigen weiteren Schritt wird K. aber, auch dies hat er in der Zwischenzeit erkannt, seine persönlichen Kosten sehr kritisch überprüfen müssen. Dazu hat er seinen Steuerberater um eine Aufbereitung der Zahlen einschließlich seiner Privatentnahmen gebeten. Diese Aufbereitung liegt mittlerweile vor und zeigt teilweise erstaunliche Details. So liegen die Privatentnahmen im Monatsdurchschnitt bei K. und seiner insgesamt fünfköpfigen Familie bei rund 4.000 Euro. Hinzu kommen Kosten für Zins- und Tilgungsleistungen seiner Betriebsdarlehen von fast 2.500 Euro monatlich, Beträge zur Altersabsicherung von monatlich 1.500 Euro sowie Krankenversicherungsbeiträge von ebenfalls rund 1.500 Euro im Monat. Alles in allem beträgt dieser monatliche Fixkostenblock also rund 9.500 Euro.

Eine gewaltige Zahl, über die sich K. jahrelang keinerlei Gedanken machte. So wurden weder die Privatentnahmen genauer geprüft noch die den Prämien zugrunde liegenden Verträge zur Altersabsicherung und zur privaten Krankenversicherung. Auch die Kosten für sonstige private und betriebliche Versicherungen wurden von K. bisher nicht kritisch unter die sprichwörtliche Lupe genommen.

Es bedurfte offenbar tatsächlich erst der alarmierenden Zahlen seiner Hausbank, um sich näher mit dem Thema der Kosteneffizienz zu befassen. Das wird nun aber mit Nachdruck geschehen. Als Sofortmaßnahme wird K. mit dem für ihn zuständigen Versicherungsmitarbeiter über Optimierungsmöglichkeiten bei sämtlichen Policen reden. Dieses Gespräch beinhaltet sowohl die Versicherungen zum Aufbau einer finanziellen Altersabsicherung als auch die Privatpolicen und die Betriebsversicherungen. Darüber hinaus will K. wissen, ob am Komfortschutz seiner Krankenversicherung Einsparungen möglich und sinnvoll sind. Als weiteren wesentlichen Kostenblock wird er sich um die relativ hohen Privatentnahmen kümmern, deren Veranlassung bisher ebenfalls nicht hinterfragt wurde.

Zu guter Letzt hat er auch bereits einen Termin mit seiner Hausbank verabredet. Immerhin handelt es sich auch hier bei der Höhe seiner Zins- und Tilgungsleistungen um einen erheblichen monatlichen Betrag, von dem K. bisher noch nicht einmal weiß, welcher Teil dieses Betrages für Zinsen und welcher für Tilgungsraten verwendet wird.

 

Check-Liste: So bekommen Sie die Kosten in den Griff

Die nach wie vor bestehende Unsicherheit bezüglich zukünftiger Kreditvergaben sollten jeden veranlassen, Maßnahmen zur Verbesserung seiner Liquiditätslage einzuführen.

  • Dazu gehört unter anderem ein professionelles Liquiditätsmanagement, das Einnahmen und Ausgaben nicht nur fortschreibt, sondern auch sorgfältig analysiert.

  • Ziel einer solchen Analyse sollten regelmäßige Gespräche vor allem mit den beteiligten Bank- und Versicherungspartnern sein, da Kredit- und Versicherungskosten in der Regel zu den größeren Ausgabepositionen gehören.

  • So bestehen bei den Bankkosten meist Spielräume in der Höhe des Zinssatzes des Überziehungskredites ebenso wie bei den Darlehenskosten, bei denen sich möglicherweise zinsgünstige Umschuldungen in andere Bankdarlehen oder in öffentliche Förderdarlehen ebenso anbieten wie vorübergehende Anpassungen der jeweiligen Tilgungsraten.

  • Versicherungskosten können unter anderem durch vertretbare Selbstbeteiligungen, durch Prämienrabatte, aber auch durch die Kündigung der einen oder anderen weitgehend überflüssigen Police verringert werden.

  • Sparmöglichkeiten bieten außerdem oftmals die Privatentnahmen, die sich, oft ungeprüft, langfristig fast unbemerkt erhöhen. Hier sollten Unternehmer durchaus kritisch prüfen, ob die Höhe der jeweiligen Privatentnahmen auch tatsächlich erforderlich ist.

 

aus "Creditreform – das Unternehmermagazin aus der Verlagsgruppe Handelsblatt", Autor: Michael Vetter

 

 

 



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