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Wirtschaftslage - Mittelstand im Münsterland
Wirtschaftslage - Mittelstand im Münsterland
Frühjahr 2010
Münster, 13.04.2010
Konjunkturelle Erholung im Mittelstand in Sicht – aber noch
vorsichtige Prognosen
Creditreform befragte im März dieses Jahres sowohl den deutschen, als auch den münsterländischen Mittelstand zur aktuellen Wirtschaftslage, den Geschäftserwartungen und den gegenwärtigen Finanzierungsbedingungen.
Der negative Trend des letzten Jahres bei der Bewertung der aktuellen Geschäftssituation setzt sich weiter fort. Nur 30,7 Prozent (im Vorjahr 31,5 Prozent) der Unternehmer im Münsterland bewerten ihre aktuelle Situation mit sehr gut oder gut.
Als mangelhaft bzw. ungenügend bezeichnen 11,5 Prozent der Mittelständler in unser Region ihre derzeitige Auftragslage. Deutschlandweit ist ihr Anteil mit 10,8 Prozent nur geringfügig kleiner.
Im Verarbeitenden Gewerbe setzt sich die besonders schwierige Geschäftssituation auch in diesem Jahr fort. Nur noch 22,1 Prozent (im Vorjahr 28,6 Prozent) bewerten die Geschäftslage mit sehr guten Noten. Im Handel und Dienstleistungssektor sieht es nur geringfügig besser aus. Dort bewerten 31,6 (Handel) und 34 Prozent (Dienstleistungen) die aktuelle Lage positiv. Dagegen entwickelte sich die Situation im Baugewerbe in den vergangenen Monaten positiver. Hier konnte mit 45,2 Prozent der befragten Unternehmen
nahezu die Hälfte eine sehr gute oder gute Entwicklung beschreiben. In diesem Zweig machen sich die noch anhaltenden Konjunkturprogramme und die Fokussierung auf den Binnenmarkt bemerkbar.
Auch die Umsätze haben sich im Verlauf des letzten Jahres weiter negativ entwickelt: Nur noch 17,2 Prozent der befragten Unternehmen im Münsterland konnten innerhalb der vergangenen zwölf Monate mehr Umsatz erwirtschaften. Die Zahl der Betriebe, die Umsatzeinbußen zu verkraften hatten, stieg dagegen um 4,4 Prozentpunkte auf 47,5 Prozent an.
Die Umsatzentwicklung der vier Hauptwirtschaftszweige macht deutlich, dass fast alle Bereiche im Münsterland Umsatzrückgänge zu verbuchen hatten. Allein im verarbeitenden Gewerbe konnten mit 15,8 Prozent (Vorjahr 8,8 Prozent) geringfügig mehr Unternehmen bessere Umsatzergebnisse erzielen als noch vor einem Jahr. Die Mehrheit der Unternehmen in allen Branchen musste aber auch im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen hinnehmen. Im Handel waren dies sogar 53,3 Prozent der Firmen.
Arbeitsmarktimpulse lassen nach
Der Mittelstand stellte bei weitem nicht mehr so viele Mitarbeiter ein wie noch vor einem Jahr: Aktuell geben nur noch 16,4 Prozent der Befragten an, ihren Personalbestand innerhalb der vergangenen zwölf Monate aufgestockt zu haben. Im Frühjahr 2009 waren es noch 26,2 Prozent. Die Unternehmer in der Region konzentrierten sich darauf, den Personalbestand so gut wie möglich zu halten. Bei 55,7 Prozent gab es keine Veränderungen.
Die Aussichten sind positiver – es geht leicht aufwärts
Die leicht steigenden Umsatzerwartungen sind wohl ein erstes Zeichen für die optimistischere Sicht der Unternehmer in die Zukunft. Gingen im vergangenen Jahr noch 43,8 Prozent der Betriebe im Münsterland davon aus, Umsatzeinbußen hinnehmen zu müssen, so sind es aktuell nur noch 29,1 Prozent. Dagegen stieg der Anteil der Unternehmen, die mit mehr Umsätzen rechnen von 15,8 auf 24,2 Prozent. Erfreulicherweise rechnet 45,5 Prozent der Betrieb mit stabilen Erlösen.
Abgesehen von der Baubranche verzeichnen die übrigen Hauptwirtschaftszweige eine steigende Umsatzsituation. Den deutlichsten Aufwärtstrend erwartet das Verarbeitenden Gewerbe: Hier rechnen 32,6 Prozent für die nächsten Monate mit steigenden Umsätzen (Vorjahr 14,3 Prozent). Im Baugewerbe kalkulieren die Unternehmer bereits das Auslaufen der Konjunkturprogramme mit ein. Es erwarten nur noch 11,9 Prozent eine Steigerung des Umsatzes. In keiner Branche werden massive Einbrüche befürchtet wie noch vor einem Jahr.
Saldo bei zukünftiger Personalentwicklung wieder leicht positiv
Die Mehrheit der Mittelständler ist bestrebt, ihren Personalbestand zu halten (Münsterland: 70,5 Prozent, Deutschland: 70,5 Prozent). Da 15,2 Prozent der Betriebe aber wieder neu einstellen möchten, überwiegen die Neueinstellungen die Entlassungen (14,3 Prozent) leicht um 0,9 Zähler. Diese Trendwende macht optimistisch, dass die Krise vielleicht auch 2010 den Arbeitsmarkt nicht erreicht.
Der Wirtschaftszweig der Dienstleister wird dabei in den nächsten Monaten den Hauptanteil des Beschäftigungswachstums stellen. 17 Prozent der Betriebe planen Neueinstellungen, während lediglich 4,3 Prozent ihren Personalbestand werden verringern müssen.
Investitionsbereitschaft nimmt deutlich zu
Nachdem die Investitionsbereitschaft in unserer Region im letzten Jahr deutlich abgenommen hat, ist sie in diesem Jahr wieder höher. Der Negativtrend, der im letzten Jahr das Münsterland eingeholt hat, als nur noch 53,5 Prozent der Unternehmen über Investitionen nachdachten, wird in den kommenden Monaten korrigiert. 64,3 Prozent der Betriebe werden im laufenden Geschäftsjahr Investitionen tätigen. Das entspricht einer Steigerung um 10,8 Prozentpunkte. Zudem sind die Firmen in unserer Region weiterhin investitionsfreudiger
als deutschlandweit, wo nur 44,3 Prozent investieren werden.
Die größte Investitionsbereitschaft zeigen die münsterländischen Dienstleister. über drei Viertel der Unternehmer (76,6 Prozent) dieser Branche haben in den nächsten Monaten ein Investitionsprojekt auf der Agenda!
Zahlungsweise im Münsterland leicht verbessert
Verglichen mit Deutschland warten die Unternehmer im Münsterland weiterhin insgesamt länger auf die Zahlungseingänge ihrer Lieferantenkredite. Immerhin scheint zumindest aber der Negativtrend bei der Zahlungsweise der Kunden im Münsterland aufgefangen zu sein. Die aktuellen Angaben zu den Zahlungszielen ihrer privaten Kunden sind etwas besser als im Vorjahr. 68,9 Prozent zahlen pünktlich innerhalb von 30 Tagen nach Rechnungsstellung (Vorjahr: 66,3 Prozent). Die öffentliche Hand zahlt unverändert schlechter
als die Privatkunden.
Ertragserwartungen in allen Branchen stark rückläufig
Auch die Ertragsaussichten des Mittelstands sind rosiger als im letzten Jahr. 2009 waren diese Werte sogar schlechter als im Rezessionsjahr 2003.
Mit steigenden Erträgen rechnen aktuell wieder 21,3 Prozent (Vorjahr 10,8 Prozent) der Unternehmen im Münsterland. Das entspricht einem Zuwachs um 10,5 Prozentpunkte im Jahresverlauf. Die Mehrheit (45,9 Prozent) erwartet stabile Erträge. Dadurch klettert der Saldo aus steigenden und sinkenden Erträgen von minus 45 im Vorjahr, auf minus 11 Zähler in diesem Jahr.
Mittelständler wieder weniger fremdfinanziert
Die Wirtschaftskrise hat die mittelständischen Unternehmen unter Zugzwang gesetzt. Viele haben in der Zeit der Krise erkannt, wie wichtig die Ausstattung mit Eigenkapital ist, um eine Krise zu meistern. Die Unternehmen haben Mehreinnahmen genutzt, um Kapitalrücklagen zu bilden. Immerhin 34,9 Prozent der Firmen in unserer Region weisen eine solide Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent vom Umsatz aus. In Deutschland sind es 26,8 Prozent. Heruntergebrochen auf die Hauptwirtschaftszweige konnte das Baugewerbe
seine Eigenkapitalquote während der vergangenen Monate in der Zeit der guten Auftragslage verbessern.
Finanzmarktkrise wirkt sich auf Finanzierungsbedingungen aus
Für den Mittelstand wird eine Fremdfinanzierung zunehmend schwerer. 48,8 Prozent der Befragten im Münsterland und 56,9 Prozent in Deutschland geben an, dass die Finanzierungsbedingungen schwieriger sind als noch vor einem Jahr.
Konkret fordern die Kapitalgeber mehr Sicherheiten und höhere Risikoaufschläge, bevor ein Kredit bewilligt wird. 42,6 Prozent der Unternehmen mussten größere Sicherheiten zur Verfügung stellen, um die gewünschte Finanzierung zu erlangen.
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Münster, 13. April 2010
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