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SchuldnerAtlas Münsterland 2010
SchuldnerAtlas Münsterland 2010
Nachwehen der Wirtschaftskrise: Zahl der überschuldeten Privatpersonen steigt wieder an
Münster, 04.11.2010
Nach gut anderthalb Jahren Wirtschafts- und Finanzkrise zeigen sich immer mehr Verbraucher wieder finanziell angeschlagen. Der Positivtrend aus 2009 bei der Überschuldung von Privatpersonen konnte im aktuellen Jahr nicht gehalten werden. Die Schuldnerquoten in Deutschland (9,5 Prozent, Vorjahr: 9,09 Prozent) sowie in NRW (10,88 Prozent, Vorjahr: 10,39 Prozent) aber auch im Münsterland (8,29 Prozent, Vorjahr: 7,87 Prozent) sind wieder leicht gestiegen.
Gesamt-NRW beherbergt prozentual deutlich mehr Schuldner, als es deutschlandweit der Fall ist. Im Bundesland besetzt unsere Region den Platz der geringsten Überschuldung der Bevölkerung.
In allen Teilbereichen des Münsterlandes hat sich der Anteil der Bevölkerung, die deutliche Überschuldungskennzeichen ausweisen, erhöht.
Schuldnerdichte in Münster und im Kreis Borken größer als im gesamten Münsterland
Die kreisfreie Stadt Münster liegt mit einer Schuldnerquote von 8,72 Prozent (Vorjahr: 7,87 Prozent) genauso wie der Kreis Borken mit 8,77 Prozent (Vorjahr: 8,48 Prozent) über der Quote des gesamten Münsterlandes. Münster verbucht zudem einen relativ hohen Zuwachs um 0,46 Prozentpunkte.
Überschuldungssituation der Bewohner im Kreis Borken am stabilsten
Die höchste Überschuldungsquote unserer Region finden wir zwar erneut im Kreis Borken, jedoch darf sich dieser Kreis immerhin über den geringsten Zuwachs bei der Schuldnerquote um 0,28 Prozentpunkte freuen. Seit 2009 scheint sich die Schuldensituation der Bewohner hier leicht zu stabilisieren, wohingegen sich die finanzielle Lage der Münsteraner tendenziell deutlich verschlechtert. Es bleibt abzuwarten, ob Münster den Kreis Borken im nächsten Jahr im negativen Sinne im Kreisranking auf dem ersten Platz der Schuldnerquote
ablöst.
Überschuldungszuwachs im Kreis Steinfurt am größten
Am gravierendsten verschlechtert hat sich die finanzielle Situation der Einwohner des Kreises Steinfurt. Fast 2.000 Personen mehr als im Vorjahr werden in der aktuellen Überschuldungsstudie gezählt. Ebenso fällt der prozentuale Anstieg der Schuldnerquote mit plus 0,52 Prozentpunkten auf 8,21 Prozent (Vorjahr: 7,69 Prozent) in diesem Kreis am stärksten aus.
„Schuldenbrennpunkte“ in unserer Region mit hoher bis sehr hoher Schuldnerdichte sind wie im Vorjahr der Nordosten von Münster sowie Gronau, Rheine, Ahlen, Beckum und Bocholt. Zudem hat sich die finanzielle Lage der Einwohner in Steinfurt, Greven, Lengerich und Lotte deutlich verschärft, so dass diese Städte aktuell eine erhöhte Schuldnerquote ausweisen.
Münster ist zeitgleich unter den Tops und Flops der Region
Bei der Ermittlung der Tops und Flops unserer Region in Bezug auf die Schuldnerdichte spielt Münster eine zentrale Rolle. Die Einwohner von Münster im Postleitzahlengebiet 48149, das den Bereich um die Westfälische Wilhelms-Universität beschreibt, sind mit einer Quote von 5,21 Prozent am wenigsten überschuldet; dicht gefolgt von den Mettingern, die nur zu 5,27 Prozent überschuldet sind. Auf Platz drei liegt Wettringen mit einer Schuldnerdichte von 5,38 Prozent.
Münster belegt nicht nur den ersten Platz unter den Tops sondern auch bei den Flops des Münsterlandes. Mit einer Schuldnerquote von 14,44 Prozent ist das Postleitzahlengebiet 48157, das den Bereich Gelmer, Coerde, Handorf, Südmühle bis kurz vor Wolbeck umfasst, am dichtesten von überschuldeten Haushalten besiedelt. Ebenso im Bereich 48159, im Westen von Sprakel bis Kinderhaus, herrscht eine sehr hohe Schuldnerdichte mit 13,92 Prozent vor. Auf Platz drei der Flops liegt Gronau mit einer Schuldnerquote von 12,33
Prozent.
Schere zwischen schuldnerarmen und –reichen Gebieten klafft weiter auseinander
Die Spannweite zwischen der niedrigsten und der höchsten gemessenen Schuldnerquote, die sogenannte Spreizung, beträgt im Münsterland 9,62 Prozentpunkte im Vorjahr waren es nut 8,38 Prozentpunkte. Die Schere zwischen schuldnerarmen und schuldnerreichen Gebieten klafft somit weiter auseinander.
Überschuldungsstruktur vieler Schuldner hat sich verhärtet
Die Differenzierung zwischen harten Negativmerkmalen (juristischen Sachverhalte und unstrittige Inkassofälle von Creditreform) und weichen Negativmerkmalen (nachhaltigen Zahlungsstörungen) zeigt, dass Überschuldung bei Privatpersonen offensichtlich zunächst ihre Ursache mehrheitlich in den weichen Faktoren hatte. Seit 2008 spielen die harten Negativmerkmale jedoch eine zunehmende Rolle. Sie machen seither mehr als die Hälfte aller Überschuldungskennzahlen aus. Insofern alarmierend, da es Schuldnern mit harten
Negativmerkmalen deutlich schwerer fällt, wieder auf einen grünen Zweig zu kommen.
Arbeitslosenquote korreliert mit Schuldnerquote
Verglichen mit NRW ist nicht nur die Schuldnerquote sondern auch die Arbeitslosenquote im Münsterland deutlich geringer als im übrigen Bundesland.
Zweifach positiv für unsere Region: Während der Beschäftigungszuwachs bezogen auf Nordrhein Westfalen in unserer Region am stärksten ausfiel, ist der Zuwachs bei der Überschuldung der Bevölkerung vergleichsweise gering.
Die Entwicklung im Kreis Borken bestätigt ebenfalls einen klaren Zusammenhang zwischen der Beschäftigungs- und der Überschuldungsentwicklung. Während dieser Kreis laut Arbeitsagentur den stärksten Rückgang bei der Arbeitslosenquote verbucht, verzeichnet er ebenfalls den geringsten Zuwachs bei der Schuldnerquote im Münsterland.
Im Kreis Coesfeld wurde nicht nur die geringste Schuldnerdichte ermittelt sondern auch die geringste Arbeitslosenquote.
Überschuldungsaffine Indikatoren
Um wieder einen Positivtrend bei der Überschuldungssituation der Bevölkerung melden zu können, muss der Job-Boom auf dem Arbeitsmarkt anhalten. Aber der allein wird nicht reichen, um eine zuverlässige Trendwende hinsichtlich der Überschuldungssituation zu erreichen. Auch weitere überschuldungsaffine Indikatoren wie Konsumstimmung, Lohn- und Einkommensentwicklung, Verbraucher- und Energiepreise sowie die Inflation müssen stabil bleiben.
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